Kategorie: Konni & Evi

Die Geschichte von Konni & Evi ist teilweise die der deutschen Wiedervereinigung. Nach der deutschen Teilung gab es in der ehemaligen DDR lediglich eine Handvoll Staatsweingüter. Kommerzieller, privatwirtschaftlicher Weinbau, wie er auf der anderen Seite der Grenze üblich war, fand schlichtweg nicht statt. Stattdessen hatte man in den Gebieten rund um Saale und Unstrut in aller Regel ein gutes Dutzend Reben im Garten hinter dem Haus gepflanzt, um sich und die Seinen zu versorgen
Nach der Wiedervereinigung gab es also eine Vielzahl kleiner Parzellen, die in privater Hand waren. Und ein gutes Jahrzehnt später gab es Ebay Kleinanzeigen. Und noch ein gutes Jahrzehnt später stand eben dort die erste Parzelle, mit der Konni & Evi als Weingut begannen, zum Verkauf. Zu der Zeit lebten Konni und Evi in der WG von Jonas Brand in Würzburg und entschieden schließlich, zurück in Konnis Heimat zu ziehen
Eine alte Schulspeisung aus DDR-Zeiten wurde kurzerhand zum Keller umfunktioniert, vom lokalen Küster wurden Fässer aus Harzer Eiche gekauft und unverzüglich mit dem ersten Jahrgang gefüllt. Aus diesem improvisierten Anfang ist mittlerweile ein rund vier Hektar großes Weingut entstanden. Viele der bewirtschafteten Flächen sind Steillagen, die Böden vor allem von Muschelkalk geprägt. Etwa 70 Prozent der Flächen sind mit Silvaner bepflanzt, darunter viele alte Reben mit gutem Recht also bezeichnen sich beide als Silvaner Ultras.
Die Arbeit im Weinberg ist geprägt von Handarbeit und einem möglichst naturnahen Ansatz. Gerade die alten Reben und die steilen, kargen Muschelkalklagen bilden das Fundament ihrer Weine. Im Keller halten sich Konni & Evi bewusst zurück: Die Weine werden spontan vergoren und dürfen lange auf der Hefe reifen, bevor sie unfiltriert und ungeschönt abgefüllt werden. Es geht weniger um technische Perfektion als darum, den Charakter der Reben, der Böden und des jeweiligen Jahrgangs möglichst unverfälscht ins Glas zu bringen
Eine besondere Rolle spielen dabei die Fässer aus Harzer Eiche. Sie sollen den Weinen nicht vordergründig Holzgeschmack verleihen, sondern ihnen Zeit und Raum für eine langsame Entwicklung geben. Die Weine entstehen mit möglichst wenig Eingriff und dürfen sich über lange Reifezeiten entwickeln. Spontane Vergärung, lange Hefelagerung und der Verzicht auf Schönung und Filtration gehören dabei ebenso zum Stil des Hauses wie ein zurückhaltender Einsatz von Schwefel.
Das Ergebnis sind eigenständige, oft unkonventionelle Weine, die nicht auf makellose Glätte oder maximale Frucht getrimmt sind. Stattdessen zeigen sie Würze, feine Phenolik, mineralische Spannung und eine bemerkenswerte Tiefe, die häufig erst mit etwas Luft zum Vorschein kommt. Vor allem aber erzählen sie von ihren alten Reben, den kargen Muschelkalkböden und einer Region, deren Weinbaugeschichte eng mit den Umbrüchen der vergangenen Jahrzehnte verbunden ist Konni & Evi gehören damit zu einer jungen Generation von Winzern, die Saale-Unstrut neu denken, ohne die   Geschichte der Region aus den Augen zu verlieren. Aus kleinen, verstreuten Parzellen, alten Reben und einem improvisierten Keller ist ein Weingut entstanden, dessen Weine heute eindrucksvoll zeigen, welches Potenzial in den lange unterschätzten Lagen der Region steckt.